Die Connectivity Standards Alliance (CSA) hat Matter 1.6 veröffentlicht und führt damit zwar keine neuen Geräteklassen ein, verbessert dafür aber den Einsatz von Matter in der Praxis. Die größte Neuheit dürfte die Bekanntgabe von Joint Fabric sein, das zur Verwaltung von Geräten über mehrere Ökosysteme hinweg genutzt wird.
Joint Fabric vereinfacht die Matter-Verwaltung
Nutzt man heute beispielsweise eine Philips Hue Lampe per Matter gleichzeitig in Apple Home, Alexa und Google Home, dann legt jedes dieser Systeme ein eigenes sogenanntes Fabric an. Die Lampe oder das Leuchtmittel muss demnach drei verschiedene Verwaltungsstrukturen speichern, obwohl es sich immer um dasselbe Gerät handelt. Das geht zulasten des Speicherplatzes auf der Hardware und kann unter Umständen zu Problemen führen.
Um dagegenzusteuern, hat die Connectivity Standards Alliance (CSA) jetzt Joint Fabric vorgestellt. Statt jedes Mal ein eigenes Fabric anzulegen, teilen sich die Plattformen künftig eine gemeinsame Geräteverwaltung.
Die Hue Lampe wird somit nur noch in einem Fabric gespeichert, während andere berechtigte Plattformen darauf zugreifen können. Für Nutzer bedeutet das weniger Aufwand bei der Einrichtung und gleichzeitig eine effizientere Nutzung des vorhandenen Speichers.
Thermostat Suggestions: Empfehlungen statt Befehle
Auch bei den Thermostaten tut sich etwas. Bisher haben Plattformen ihre Temperaturvorgaben direkt an das Thermostat übermittelt und dieses hat sie anschließend ohne weitere Prüfung umgesetzt. Mit Thermostat Suggestions wird ein Prüfschritt eingeführt, wodurch solche Befehle zunächst vom Thermostat selbst bewertet werden. Das Thermostat entscheidet, ob eine Änderung sinnvoll ist oder ob andere Faktoren dagegensprechen.
Dies eröffnet vor allem im Zusammenspiel mit Energiemanagement-Systemen neue Möglichkeiten. Zum Beispiel wäre es denkbar, dass eine Temperaturanpassung verschoben wird, wenn gerade besonders hohe Strompreise gelten. Ziel ist eine effizientere Nutzung und geringere Kosten.
Wichtig: Matter definiert lediglich die technischen Voraussetzungen. Am Ende entscheidet jeder Hersteller selbst, welche Funktionen er offiziell auch für die breite Masse freischaltet. Das heißt, die Logik und Voraussetzungen werden individuell festgelegt.

Einrichtung per NFC statt QR-Code
Bereits mit Matter 1.4.1 hatte die CSA die sogenannten NFC-Onboarding-Payloads eingeführt, mit denen die Einrichtungsdaten auf einem NFC-Tag gespeichert werden können. Während bisher noch über Bluetooth gekoppelt wurde, wird mit Matter 1.6 nun auch die direkte Einrichtung per NFC ermöglicht.
Einfach gesagt: Ein Produkt wie ein Leuchtmittel kann eingerichtet werden, bevor es überhaupt in die Fassung geschraubt wird. Auch bei bereits fest installierten Deckenleuchten oder Unterputz-Aktoren bringt dies einen großen Vorteil mit sich. Es muss kein QR-Code mehr gescannt werden, denn das Smartphone liest die Daten direkt per NFC aus.
Weitere Neuerungen im Überblick
Neben den Schwerpunktthemen bringt Matter 1.6 noch weitere Verbesserungen:
- Geräte können ihre Funktionen und technischen Grenzen künftig standardisiert an Smart-Home-Plattformen übermitteln. Dadurch sollen sie in verschiedenen Ökosystemen genauer dargestellt und besser genutzt werden können.
- Sicherheits-Sensoren erhalten eine Ereignis-Historie. Neben dem aktuellen Status können Plattformen damit auch vergangene Ereignisse auswerten und besser nachvollziehen, wann ein Sensor ausgelöst wurde.
- Rauch- und CO-Melder können künftig erkennen, wenn sie von ihrer Halterung entfernt wurden. Nutzer und Smart-Home-Systeme erhalten dadurch einen besseren Überblick darüber, ob ein Melder tatsächlich betriebsbereit ist.
- Auch die Sicherheitsinfrastruktur von Matter wurde weiter verbessert. Zertifikatssperrlisten lassen sich künftig effizienter verwalten, was insbesondere bei einer wachsenden Zahl zertifizierter Geräte von Vorteil sein soll.

